Sowohl die raumgreifenden, installativen Arbeiten als auch die kleineren Objekte lassen sich mit dem Begriff der Bricolage beschreiben, den Levi Strauss in seiner strukturalen Anthropologie entwickelt. Wörtlich „Basteln“ meint er die Neuordnung und Rekontextualisierung von Objekten, um neue Bedeutungen zu kommunizieren, und zwar innerhalb eines Gesamtsystems von Bedeutungen, das bereits vorrangige sedimentierte, den gebrauchten Objekten anhaftende Bedeutung enthält.
Christian Schönwälder entwickelt mit Blick auf die bereits angesprochene Beziehung von Raum, Inhalt, Funktion und Hülle seine Werke aus alten Schrankwänden, Holz und anderen Materialien. Dabei ist die indirekte Einbeziehung des menschlichen Körpers ein wesentlicher Aspekt. Die zum Teil aus gefundenen alten, noch gebrauchsfähigen Materialien gefertigten Objekte bergen eine Erzählungsdimension von tristen dokumentarischen und zugleich Erkenntnis erweiternden visionären Aspekten.
Wichtiger als der tatsächliche Gebrauch seiner Objekte ist also der sich eröffnende Vorstellungsraum und die Fähigkeit bzw. das Potential, welches die Objekte in sich zu tragen scheinen. Es gilt, einerseits dem Menschen in seiner Körper-Funktionalität nachzuspüren, wie auch ihn in seinen Bedürfnissen nach Sicherheit und Wohlgefühl indirekt in die Arbeiten einzubinden – auf der anderen Seite schaffen seine Bricolagen, seine neuen Räume und Objekte für noch unbekannte Notwendigkeiten eine geistige Freiheitszone und sind ein Geschenk für die Phantasie.